Veränderte Wirtschaftsrealität für den Einzelnen

Gestern ging Herr Kause durch seine Stadt an den Ladenzeilen vorbei und sah sich die reichhaltigen Auslagen ab. Einfach etwas kaufen weil es ihm gefällt, das war seit einiger Zeit nicht mehr möglich, trotz den jährlich wiederkehrenden Tariflohnerhöhungen. Er war gerade aus seinem Büro gekommen. Früher ging er hin und wieder mit den Kollegen noch in eine Kneipe. Auf ein Gläschen nach Feierabend, doch auch das konnte und wollte er sich nicht mehr leisten. Am Vortag hatte er den Nebenkostennachzahlungsbescheid von seinem Vermieter erhalten. Und in den Zeitungen hatte er gelesen, dass die Lebensmittelpreise durchschnittlich um 7% gestiegen seien. Die Lebensmittel sollten aber in der nächsten Zeit kaum billiger werden, so meinte es ein Wirtschaftsforscher. Das hatte er beim letzten Einkauf mit seiner Frau deutlich zu spüren bekommen. Im Einkaufswagen lagen nicht mehr so viele Waren wie im Vormonat. Dabei war die letzte Lohnerhöhung von 30.00 Euro netto gerade erst im letzten Monat.

Tanken, tanken, ja, das sollte er auch heute noch, denn seine Ehefrau hatte beschlossen ihre Eltern zum Wochen-ende wieder einmal zu besuchen und ihren dreijährigen Sohn mitzunehmen. Also durfte er es auf keinen Fall vergessen, sonst würde aus dem geplanten richtig netten Familienausflug nichts werden. Und ein Gastgeschenk sollte ebenso mitgenommen werden sonst währ die Schwiegermutter wohl traurig. Er fragte sich allerdings, ob das wirklich nötig gewesen wäre.

Dazu mussten sie in ein kleines Dorf im Landkreis fahren, dort hatten sich die Großeltern in ihrem Ex-Wochen-endhaus zur Ruhe gesetzt, nachdem sie in Pension gegangen waren. Alles gut und schön aber während ihres Einkaufes hatte er einen Blick auf die Preisschilder der SB-Tankstelle beim Einkaufscenter gewagt. Das hätte er besser nicht getan, denn ihm wurde schlecht. Die Preise für sein Dieselfahrzeug waren plötzlich geanuso hoch wie bei Normalbenziner. Auch diese Preissteigerung musste er wohl Zähneknirschend hinnehmen, wie alle anderen Bürger auch. In die Stadt fuhr er schon lange nicht mehr mit dem Auto, da mussten öffentliche Verkehrsmittel herhalten. Mit den Bestimmungen durch die Feinstaubvinette kannte er sich deahalb nicht gut aus. Ebenso wie die Meisten. Die Einzigen die sich darüber freuten waren wohl die Umweltschützer. Seine Familie aber musste auf ihn länger verzichten, denn er brauchte mehr Zeit für die An- und Abfahrt zur Arbeit aus einem Vorort in die Innenstadt. Seit Anfang des Jahres musste er zudem 1 1/2 Std. wöchendlich länger arbeiten als zuvor. Wieder weniger Zeit für die junge Familie. Immer mehr Arbeit und weniger Gehalt durch Steuern und Inflation, zudem wurde die Stelle seines älteren Ex-Kollegen, der in Pension gegangen war , nicht neubesetzt, die jetzt von ihm mit ausgefüllt werden musste. Weniger Zeit und 50% Mehrbelasstung bedeutete das für ihn. Betriebsbedingte Kündigungen waren von den Gewerkschaften in seiner Branche verhindert worden, Gott sei Dank!

Während er sich als bekennenden Christ bezeichnete, war sein Vorgesetzter wohl Atheist, denn oft geriet er sogar deswegen mit ihm aneinander . Wenn er für die Religion mehr Zeit hätte, würde er sogar jeden Sonntag in die Kirche gehen. Doch Letztendlich war ihm an diesen Tag mit seiner Frau länger im Bett zu liegen wichtiger. Manchmal wurde es richtig Lustig, wenn sein Kind sich zwischen ihnen drängte. Laut nach Mama oder Papa schrie um darauf beide hell lachend in die Arme zu schließen. Dann, so erschien es ihm, dann war Gott seiner kleinen Familie ganz nah. Doch dabei hatte er gerade in der Zeitung gelesen, wie militant einige moslemische Fanatiker sich in unserer Gesellschaft verhalten, das machte ihm einwenig angst und der Wirtschaftsaufschwung sei da. Die Daz-Unternehmen machten Rekortgewinne. Warum kam dann wo wenig davon in seinem Privathaushalt an und klingelte dieser Wirtschaftsaufschwung nicht auch einmal an seiner Tür?

Außerdem wollte seine Familie in diesem Jahr mit ihm noch in den Urlaub fliegen. Dorthin wo es nicht so teuer ist wie in Deutschland, die Sonne schien und der Strand lockte. Vielleich nach Bulgarien, Kroatien oder Mallorca. Dort würden sie mit seinen Eltern wieder ein Familienstutio oder Bungalow beziehen, denn ohne die finanzielle Unterstützung der Großeltern würde das wohl nicht klappen aber eine Freude wäre es schon.

Irgendwie konnte er den Jubel der Zeitungen und TV-Nachrichten nicht recht nachvollziehen. Gar wenn sich Politiker, die Unternehmen für neu geschaffene Arbeitsplätze über den grünen Klee lobten. Dann fragte er sich: "Und was habe ich davon?" Gleich würde er sich mit seiner Frau und seinen Sohn treffen, den sie gerade aus den Kinderhort mitbrachte aber bisher hatte er heute von seiner Familie nichts gehabt. Danach würden sie mit der Straßenbahn nach hause fahren, zu Abendessen, einwenig Fernsehen und zur Nachtruhe gehen. Er war bereits jetzt müde aber das Heulen seines Sohnes war im tausend mal lieber als das Brüllen seines Vorgesetzten: "Krause sind die Akten für die Sitzung noch nicht fertig? Hoffendlich wird´s bald was". - Was für ein Stinkstiefel-. Aber jeden Tag das Selbe, die selbe tägliche Monotonie, immer das Gleiche.
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